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Gretelchen als Super-Emanze PDF Drucken E-Mail

[Allgemeine Zeitung Mainz vom 10. März 2009]

Frenetischer Applaus für Programm der Kleinkunstwundertüte Achterbahn in Gustavsburg

Akrobatik, Stimmtheater, Jonglage, Figurenspiel und Kabarett - für das "Programm-am-Abend-vor-dem-Internationalen-Frauentag" hat die Kleinkunstwundertüte "Achterbahn" am Samstagabend einen kurzweiligen, abwechslungsreichen Mix aus kreativer, innovativer Frauenpower zusammengestellt, den das Publikum von der ersten bis zur letzten Nummer mit frenetischem Applaus und einem bis auf den letzten Sitzplatz ausverkauften Theaterzelt honorierte.

Dass frau selbst mit einem Kinderspielzeug - in diesem Fall schillernde Hula-Hoop-Reifen - elegant und anmutig aussehen kann, bewies Andrea Engler mit unzähligen, fliegenden und kreisenden Reifen, während sich Daniela Daub als eigenwillige und weibliche Version von Rüdiger Hofmann in Alltagslangeweile und Banalitäten erst vergaß und dann mit ihren weißen Keulen jonglierend flirtete. Gelenkig, geschmeidig, fließend ließ Daub die Jongierkeulen durch die Luft fliegen und zeigte dabei, dass Frauen noch nicht mal den Barhocker verlassen müssen, um erfolgreich zu unterhalten.

Was unfreiwilligerweise - wegen völliger Abwesenheit von Männern - anfing als "postmodernes Konzepttheater", zeigte innerhalb weniger Minuten die chauvinistischen und politisch völlig unkorrekten Züge des traditionellen Figurentheaters auf. Catrin Yazdani vom "Kasperkommando" brachte das Publikum spielerisch leicht dank kritisch-feministischem Blick auf die altbackenen Theaterplots zum Lachen. Da wurde das Gretelchen zur Super-Emanze, das ihre männlichen Kasperkollegen kurzerhand mit Würsten in eine Kiste lockt und nach Australien verschickt. Dumm nur, dass die Luftlöcher vergessen wurden. Das "Tri Tra Trullala" wurde als doppelte Diskriminierung und der Kampf des Kaspers mit dem Krokodil um die Wurst als ödipaler Machtkampf interpretiert.

Aufgedreht und frech zeigte Annette Will eine rockige Schlappseil-Show, die dem Publikum - angesichts diverser waghalsiger Seil-Experimente - fast den Atem nahm. Mit einer erotischen Clown-Variante offenbarte "Coco Clownesse" die Rendezvous-Vorbereitung als Aneinanderreihung von schmerzhaften Schönheitsprozeduren. Silvia Sauer brachte bei ihrem Stimmtheater Bildnisse zum Sprechen und erhob bei ihrer internationalen Reise durch die weibliche Kommunikation Sprachmelodien zum Gute-Nacht-Lied für das rund 130-köpfige und völlig begeisterte Publikum.
10.03.2009 - GUSTAVSBURG  (teg).

 
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